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Andacht aus dem aktuellen Gemeindebrief

 

Stärker als der Tod
Alle, die schon mal einen geliebten Menschen verloren haben, wissen: Der Tod hat eine Macht, der wir kaum etwas entgegen zu setzen haben. Wenn die Zeit für einen Menschen gekommen ist, die Schwelle des Todes zu überschreiten, liegt es nicht in unserer Macht, ihn aufzuhalten, und oft fühlen wir uns ohnmächtig, wenn wir dies miterleben. 
Ganz anders redet das Hohelied vom Tod, diese biblische Sammlung von Liebesliedern, die die Liebe eines Mannes und einer Frau beschreiben. Dort heißt es nämlich: 
Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod. 
(Hohelied 8, 6)

Liebe, so das Hohelied, hat dem Tod sehr wohl etwas entgegenzusetzen. Denn, so wie es im Neuen Testament heißt: Gott ist Liebe, so heißt es hier: Die Liebe ist eine Flamme des Herrn. So kann die Liebe zwischen Menschen Ausdruck der Liebe Gottes sein. Ich sage bewusst „kann“, denn manches von dem, was wir Liebe nennen, empfinde ich keineswegs als Ausdruck von Gottes Liebe. Denn Gottes Liebe ist nicht besitzergreifend oder einengend. Gottes Liebe ist nicht an Bedingungen oder Gegenleistungen oder Erwartungen geknüpft. Gottes Liebe versucht nicht, die andere nach den eigenen Vorstellungen umzuformen, abhängig zu machen oder zu manipulieren. Stattdessen will Gott uns in seiner Liebe begegnen und uns Freiraum geben, uns zu entfalten. Eine solche Liebe möchte dem anderen nah sein, ohne die eigene Identität preiszugeben, wie ein Siegel, das man um den Hals am Herzen trägt oder um seinen Arm bindet. Dem geliebten Menschen ganz nah zu sein in dem, was er fühlt, und in dem, was er tut - nicht einengend, sondern begegnend - das ist eine Liebe, die in der Tat stark ist wie der Tod, nach Ostern würde ich sogar sagen: stärker als der Tod. Denn sie überwindet die Grenzen des Todes und schafft Verbundenheit - selbst über den Tod hinaus. 

Ihre Pfarrerin Sonja Mitze